Das Mutigste, was Du tun kannst…

„Das Mutigste, was Du tun kannst, ist zu wissen, was Du willst.“

Ich stehe vor der Klasse, als mir plötzlich dieser Satz über die Lippen kommt.

Und dann ist es auf einmal mucksmäuschenstill.

Diesem plötzlichen Moment der Stille ging ein ca. 40-minütiger Kampf meinerseits voraus. Ich kämpfte um Aufmerksamkeit. War es denn nicht möglich, dass mir alle Anwesenden einfach nur einmal 30 Sekunden – und zwar gleichzeitig – zuhörten? Das schien heute mal wieder ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.

Das Mutigste, was Du tun kannst, ist zu wissen, was Du willst.

Und auf einmal war es still.

Im ersten Moment war ich selbst verblüfft. Es sind diese Momente der Stille in Gruppen, in denen Du weißt und spürst, dass das was jetzt kommt, landen wird. Es wird ankommen. Direkt ins Herz, ins Hirn oder wo auch immer es am besten aufgehoben ist.

Dann ging es auch schon los, und die Worte sprudelten nur so aus mir heraus:

Warum haben wir – und Menschen allgemein – so viel Angst davor, für unsere Ziele alles zu geben? Für unsere Wünsche loszugehen?

Eine Schülerin meldet sich: „Weil wir Angst haben es nicht zu schaffen. Dass es nicht klappt. Dass wir scheitern.“

Ja genau! Und was ist der beste Weg, um sicherzustellen, dass wir auf keinen Fall scheitern? Nichts zu machen! Nicht loszugehen. Es nicht einmal zu versuchen. Einen Traum einfach einen Traum sein lassen.

Aber was ist bei diesem Vorgehen – neben dem Nicht-Scheitern auch absolut sicher?

Schüler: „Dass man das Ziel nicht erreicht.“

Ja genau! Also das, wovor du eigentlich so viel Angst hast, nämlich dass Du wohl Dein Ziel nicht erreichst, das tritt auf jeden Fall ein.

Das ist doch verrückt, oder?

Es herrscht immer noch Totenstille im Klassenzimmer. Es scheint, als hätten alle nur darauf gewartet, genau diesen Worten zu lauschen.

Wir Menschen sind Experten darin, GEGEN irgendetwas zu sein. Gegen etwas zu sein ist leicht, denn Du musst keine Farbe bekennen. Du kannst Dich hinter Deinem GEGEN verstecken. Rassismus funktioniert zum Beispiel so. Wir sind einfach mal dagegen. Und gehen gedanklich nicht weiter.

Das braucht keinen Mut.

Diese Art dagegen zu sein, braucht keinen Mut.

Es ist leicht zu sagen: „Das ist scheiße“ oder „da habe ich keinen Bock drauf“. Es ist leicht, gegen etwas zu sein.

Es braucht allerdings Mut, FÜR etwas zu sein.

Dann musst Du nämlich Farbe bekennen, aktiv werden. Für etwas einstehen. Du machst Dich (an)greifbar. Hörst auf Dich zu verstecken.

Du sagst: Hallo Welt das bin ich und das habe ich vor.

Die Stimmung im Klassenzimmer war immer noch gebannt.

Und deswegen ist das Mutigste, das Du für Dich und Dein Leben tun kannst, zu wissen, was du willst.

Denn viele Menschen wissen es lieber nicht, um nicht losgehen zu müssen. Sie leben irgendwelche Leben, die eigentlich gar nicht so viel mit ihnen selbst zu tun haben. Und sie regen sich viel darüber auf. Aber ändern tun sie nichts.

Es ist unfassbar mutig zu wissen, woFÜR man lebt.

Und das kann dir auch niemand abnehmen: Wenn DU es nicht herausfindest, wenn DU es nicht bestimmst, macht es keiner!

Dann lebst Du irgendwas. Aber nicht unbedingt Deins.

Und wenn es nur eine einzige Sache gibt, die ich Euch mitgeben kann, dann ist es genau das:

Sei mutig.

Für Dich.

Wisse, was Du willst.


von Madlen Petzsche, ISEE Trainerin Berlin

Share this article:

Leave a Reply

Your e-mail address will not be published. Required fields are marked *