Der blinde Fleck der Schullandschaft

WARUM LEHRER*INNEN MIT ISEE ZUSAMMENARBEITEN

Mit meiner 10. Klasse habe ich im vergangenen Jahr am Pilotprojekt von ISEE teilgenommen. Die Zeit war spannend und lehrreich, ich konnte Neues über meine Schüler*innen, über mich und darüber, was uns zurzeit in Schule und Unterricht noch fehlt, erfahren.

Nach den ersten Gesprächen mit Madlen war ich sofort begeistert von dem Projekt. Volle Lehrpläne, leistungsorientierte Schul- und Unterrichtskonzepte und dichte Stundenpläne führen leider häufig dazu, dass eine fruchtbare Stärkenorientierung, der Ausbau von sozialen Fähigkeiten und die Arbeit an Werthaltungen und Zukunftskonzepten im Schulalltag zu wenig Platz bekommen. Hier sah ich die Chance genau diesen Bereichen gemeinsam mit einem Menschen, der den „Blick von außen“ auf unsere schulische Blase werfen konnte, mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Für meine Schüler*innen war es zunächst ungewohnt mit einer Person zusammenzuarbeiten, die typische, aus dem Schulalltag gewohnte autoritäre Verhaltensweisen vermied, keine Noten gab und auch kein gelerntes Wissen abfragen wollte. Das führte bei einigen zu ablehnendem Verhalten, zu Verweigerungen und Unsicherheiten. Diese legten sich jedoch häufig, wenn die Schüler*innen bemerkten, dass hier jemand wirkliches Interesse an ihnen, an ihrer Weiterentwicklung und ihrer Zukunft hatte.

 Das Programm hat vielen Schüler*innen einen ersten Einblick in Ihre Stärken, Ihre Wünsche und eigene Zukunftsvisionen ermöglicht. Leider konnte vieles nur oberflächlich behandelt werden. Die große Schwierigkeit bestand darin, die gemeinsame Zeit mit Madlen in den Unterrichtsalltag zu implementieren. Gleichzeitig wissen wir, dass die Weiterentwicklung unserer Schüler*innen umso besser gelingt, je enger und vertrauensvoller die Beziehung zu ihnen wird. Dazu bedarf es viel Zeit, die Schule für diese Dinge nur selten hergibt.

Das Konzept von ISEE setzt genau an dem blinden Flecken unserer heutigen Schullandschaft an: dem Fehlen von Raum für soziales Lernen, dem Austausch über Werte, aber auch über Ängste und Unsicherheiten. Hier kann sich im Laufe der Zeit eine Zusammenarbeit ergeben, von der unsere Schüler*innen fürs Leben lernen können, weit über Stoffvermittlung und Abschlüsse hinaus.

Gleichzeitig können Impulse gesetzt werden, unsere Idee von Schule perspektivisch komplett zu überdenken und eine Idee davon zu entwickeln, wie Lernen und schulisches Miteinander im Kontext der Herausforderungen des 21. Jahrhundert radikal verändert werden müssen.


von Fabian, ISEE Lehrer Berlin

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