Erens erster Burger

Faszinierend wie gut sich zwei Menschen, die im Charakter so verschieden sind, sich doch so gut verstehen konnten. Aber waren wir wirklich so verschieden?

Eren, ein junger Mann mit Migrationshintergrund und dem Ziel, einen anständigen Job zu erlernen und diesen auch auszuüben. Ähnlicher wie mir in meiner Jugend konnte er nicht sein: dürr, still, fast schon etwas ängstlich, introvertiert. Charakterzüge, die sein Wesen beschreiben.

Nachdem wir uns um Bewerbungen etc. gekümmert hatten, wollte ich mit ihm etwas Ausgefallenes machen. Etwas, was er noch nie gemacht hatte. Durch die Jahre vergaß ich, wie viel mir in dem Alter noch fern war. Wir einigten uns essen zu gehen, und als ich Burger vorschlug, funkelten seine Augen. Dieses Gefühl kenne ich nur zu gut, und dieser Glanz in seinen müden Augen erwärmte mein Herz. „Ja, dann esse ich zum ersten Mal einen Burger.“  Dieser Satz traf mich wie eine Tonne Ziegelsteine. Ich erinnerte mich, dass ich in dem Alter, in der finanziellen Situation damals, ebenso war. Wir waren satt, wir waren zufrieden, aber wir waren bescheiden. Draußen Essen war für mich ein Luxus, den ich mir nur nach mühseligem Sparen erlauben konnte. Und hier war er, Eren. Wie er voller Leidenschaft seinen Double-Cheeseburger mit Potato Wedges aß, und doch versuchte in seiner Schamhaftigkeit mir seine Freude nicht zu sehr zu zeigen.

Danke dir Eren, du hast mich wieder an den Menschen erinnert, der ich eigentlich bin. Der kleine Junge, der sich sein Glück aus wenig machen kann.


Abdallah, ISEE Mentor Wien

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