VON SCHWEINEHUNDEN UND DER SCHWIERIGKEIT, DIE ES MIT SICH BRINGT, EIN LEHRER ZU SEIN

Im fünften Modul unseres Jugend-Coachings IGNITE YOUR FIRE geht es um Hindernisse, um Resilienz und der Frage danach, wie man immer wieder seine eigene Motivation anzapfen kann.

In diesem Modul beschäftigen sich deswegen alle Schüler*innen mit ihrem ganz persönlichen Schweinehund. Also dem Anteil in ihnen, der schwer in Gang zu bekommen ist, der sich gerne den Herausforderungen drückt, lieber einfach mal nichts tut, und insgeheim dem Leben eigentlich aus Angst am liebsten ganz aus dem Weg gehen möchte.

Die Einheit zum Schweinehund birgt das Potenzial, einen wirklich ehrlichen, offenen und (weil das bei den konfrontierenden Themen immer hilfreich ist) auch humorvollen Austausch zu ermöglichen.

Einen Austausch, bei dem es ok ist, zu seinen Schwächen zu stehen und sich aus dieser Akzeptanz neue Lösungswege auftun.

Für mich als Trainer ist die Herausforderung, eben genau diesen vertrauten Raum zu öffnen. Den Raum, in dem die Schüler*innen wirklich ehrlich zu sich sein können, keine Bewertung und Kommentare befürchten müssen, und dann zusammen auf neue Ideen kommen.

Und an diesem Tag hat sich die Klasse wirklich ganz darauf eingelassen und ehrliche kreative Lösungsideen entworfen, um ihren Schweinehunden eine Abfuhr zu erteilen.

Es gab die Schüler*innen, die beschlossen haben regelmäßig laufen zu gehen und direkt miteinander Lauf-Tandems gebildet haben, weil sie wissen, dass sie sich zusammen besser an ihre Vorhaben halten.

Ein Schüler verkündete, seine Computer-Tastatur bei seinem Vater zu deponieren und dadurch nicht zu zocken, sondern wirklich etwas für die Schule zu tun.

Ein paar Schüler*innen haben sich für jeweils eine halbe Stunde nach der Schule verabredet um dort direkt die Hausaufgaben gemeinsam zu erledigen, bevor sie irgendetwas anderes in ihrer Freizeit machen.

Es gab aber auch andere Einsichten. Zum Beispiel die eines 15-jährigen Mitschülers, die von wahrer Größe zeugen. Der Schüler verkündete vor der Klasse, dass er ab sofort wieder respektvoller zu seinen Lehrer*innen sein möchte. Da sage ich nur: Hut ab!

Diese und viele andere Erkenntnisse, Vorsätze und Tools haben wir mit den Schüler*innen gemeinsam erarbeitet, so dass es ihnen möglich ist, zum einen ein Bewusstsein darüber zu erlangen, wie sie sich teilweise in ihrem Leben selbst im Weg stehen und wie sie dann, ganz konkret, in diesen Situationen anders – nämlich auf ihre Ziele ausgerichtet – reagieren und handeln können.

Vielleicht nicht jedes Mal. Aber dann doch immer wieder. Immer öfter. Und dann so oft, dass es wirklich einen Unterschied in ihrem Leben macht.

Für mich persönlich waren die IGNITE YOUR FIRE Sessions und damit mein Ankommen in einer Klasse in der Rolle des Trainers eine ganz entscheidende Erfahrung. Denn ich habe im vorausgehenden Schuljahr selbst als reguläre Lehrkraft an einer Schule gearbeitet und konnte somit für mich den direkten Vergleich ziehen.

Meine große Erkenntnis ist, wie unterschiedlich das Arbeiten als Trainer und Lehrer ist. Wie die unterschiedlichen Rollen und Pflichten, die ich in diesen Rollen erfüllen muss, ein genauso unterschiedliches Arbeiten und in-Beziehung-treten zulassen und ermöglichen.

Mir ist immer deutlicher bewusst geworden, wie ich als Lehrer outputorientiert arbeite. Ich muss in gewisser Weise ständig Druck generieren, so dass die Kinder etwas lernen. Das ist auf Dauer enorm kräftezehrend und wirkt sich auch auf die Beziehung zu den Schüler*innen aus. Denn es geht nicht mehr um den Schüler/die Schülerin an sich, sondern um den Output.

In meiner Arbeit als Trainer bei ISEE fiel diese Output-Orientierung auf einmal ganz natürlicherweise weg. Bei ISEE war ich prozessorientiert. Klar es gab einen roten Faden und eine Ausrichtung. Aber der Prozess, das Lernen und Erkunden mit den Schüler*innen stand im Mittelpunkt jeder Einheit.

Die Botschaft lautete konstant: Wir können gemeinsam etwas schaffen.

Das nimmt zum einen den Druck heraus, irgendwo bestimmtes hinzukommen und schafft dadurch einen enormen Freiraum. Ich kann die Schüler*innen ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit rücken.

Ich ermächtige die Kids hier – nicht, weil wir 20 Seiten Text bearbeitet haben – sondern weil wir gemeinsame Zeit und Erkenntnis erschaffen haben.


Lennart, ISEE Trainer Wien

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